MIGRÄNE
· Unsere Migränetherapie in der Presse: www.migraene.co.uk/artikel1
Häufige Fragen zur Migräne
Wie entsteht ein
Migräne
-Kopfschmerz?
Diese Frage ist auch heute noch nicht endgültig geklärt. Lange Zeit ging man
davon aus, daß einer initialen
(= anfänglichen)
Vasokonstriktion (=
Zusammenziehen der Blutgefäße) eine
schmerz hafte Vasodilatation
(= Weiterstellung von
Blutgefäßen) folgt. Gestützt wurde
diese Hypothese (=
Vermutung, Annahme) durch das gute
Ansprechen von Ergotam
in, diese Substanz verengt ja Gefäße.
Zwischenzeitlich ist man aufgrund von Versuchen an Tieren zu der Überzeugung
gekommen, daß die Migräne durch eine neurogene
(= Nervenzellen betreffende,
mit dem Nervensystem im Zusammenhang stehende)
En tzündung entsteht. Verantwortlich
für den
Migräneschmerz
scheinen gefäßaktive Neuropeptide
(= nervenspezifische chemische Substanzen)
zu sein, die von Nervenfasern des Nervus trigeminus freigesetzt werden.
In der Literatur häufen sich Hinweise
(z.B. Migränemagazin 32/2006), daß auch ein sog. offenes Foramen ovale (engl. PFO = patent foramen
ovale) (= nach der
Geburt weiterhin bestehende Öffnung zwischen den Herzvorhöfen, die ab einem
bestimmten Ausmaß krankhaft werden kann) für die
Migränekrankheit
ursächlich sein kann. Die Häufigkeit wird mit bis zu 50% angegeben.
Kann
Mig
räne
vererbt werden?
Da die Migräne in manchen Familien gehäuft auftritt, ist eine
genetische Disposition immer vermutet worden. In zahlreichen Studien konnte
jedoch kein eindeutiger Gendefekt nachgewiesen werden. Es muß aber, wie auch bei
vielen anderen Krankheiten, die ebenfall familiär gehäuft auftreten, davon
ausgegangen werden, daß mehrere Gene bei der Krankheitsentstehung eine Rolle
spielen, die dann individuelle Konditionen schaffen und so den Ausbruch der
Migräne begünstigen.
Die Migränekrankheit
Die M
igräne
ist in besonderem Maße geeignet, das körperliche Allgemeinbefinden beträchtlich
zu stören. Das Beschwerdebild tritt nicht einheitlich auf, sondern in den
verschiedensten Variationen. Von eminenter Bedeutung ist deshalb bei
Mig
räne
eine genaue
Schmerznamnese (=
Erhebung der Vorgeschichte). Diese
erlaubt nicht nur eine exakte Klassifikation
(= Bestimmung der
Kopfschmerz
art),
sondern kann Hinweise auf mögliche organische Ursachen geben und ist dann
richtungsweisend für weiterführende Untersuchungen.
Es empfiehlt sich, auch bei Patienten mit
Mig
räne
einen standardisierten Fragebogen zu verwenden, um möglichst alle Kriterien zu
erfassen. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit von
Migränekopfschmerzen
sowie Angaben zur
Schmerz
qualität sind genau zu erfragen. Für die
Migräne-Therapie
kann die Kenntnis spezifischer Auslösesituationen oder- mechanismen von großem
Wert sein. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen erfolglosen
Migränetherapie
versuchen. Der Patient ist zu Recht enttäuscht, wenn ihm Methoden, die
ihm bisher keine Erleichterung brachten, noch einmal angeboten werden. Erfolg
oder Mißerfolg einer
Migränebehandlung
wird, besonders bei Versuchen zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung),
erst durch Dokumentation aller
Kopfschmerz
ereignisse über einen längeren Zeitraum (Mig
räne
-
Tagebuch) beurteilbar.
Wichtig ist auch die Erhebung einer biographischen Anamnese
(= Erhebung der Vorgeschichte
unter psychosozialen Aspekten),
um den Einfluß psychischer Belastungen auf das
Schmerz geschehen im Sinne
einer Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung beurteilen zu können.
Systematik (= Einteilung) der Kopfschmerzen:
|
1.1 Migräne |
|
- ohne Aura |
|
- mit Aura |
|
- andere Kopfschmerz formen |
|
1.2
Kopfschmerzen vom Spannungstyp |
|
1.4 Primäre Kopfschmerzen, die weder den M igräne- |
|
noch den Cluster-Kopfschmerzen zuzuordnen sind: |
|
- Kopfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom |
|
- Kopfschmerzen als Begleitsymptom |
|
- andere Kombinationen |
Dieser Begriff bezeichnet Kopfschmerzen, die nicht als Krankheitszeichen auf eine faßbare organische oder psychische Grundkrankheit zurückzuführen sind. Sie gelten als eigenständige Schmerzkrankheiten, die im Gegensatz zum symptomatischen (= als Folge einer bekannten Krankheit auftretender) Kopfschmerz nicht kausal (= ursächlich, gegen die Grundkrankheit gerichtet) behandelt werden können (Soyka 1989).
1.1
Migräne:
Bei der Mig
räne
treten in typischer Weise anfallsartige, bevorzugt
Halbseitenkopfschmerzen
(Hemikranie)
auf, begleitet von Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Lärm- und
Lichtempfindlichkeit. Darüber hinaus kann es zu Seh- und
Nervenstörungen
kommen. Fast regelmäßig wird die Schmerzqualität als pulsierend, pochend und
hämmernd angegeben. Ätiologie
(= Krankheitsursache)
und Pathogenese (=
Krankheitsentwicklung) sind letztlich
noch nicht sicher geklärt. Nach der IHS-Klassifikation von 1988 gibt es
hauptsächlich zwei Gruppen:
Mig
räne
mit Aura und Mig
räne
ohne Aura. Die frühere Einteilung in einfache
Mig
räne,
klassische Mig
räne
und komplizierte Mig
räne
wurde aufgegeben.
Die einzelnen Migränetypen (IHS-codierte Klassifikation )(Göbel 1994) sind:
|
M igräne ohne Aura |
|
M igräne mit Aura |
|
M igräne mit typischer Aura |
|
M igräne mit prolongierter Aura |
|
Familiäre hem iplegische Aura |
|
Migräneaura ohne Kop fschmerz |
|
M igräne mit akutem Aurabeginn |
|
Ophthalmoplegische M igräne |
|
Retinale M igräne |
|
Periodische Syndrome in der Kindheit als möglicher |
|
Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer M igräne |
|
Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit |
|
Alternierende Hem iplegie in der Kindheit |
|
Migränekomplikationen: |
|
Status migraenosus |
|
Migränöser Infarkt |
|
Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen |
Die genaue Klassifikation der Mig räne - Kopfschmerz arten ist manchmal nicht ganz einfach, weshalb nachstehend einige Erläuterungen folgen:
Als typische Anfangssymptome einer M
igräne (Migräneaura)
gelten Sehstörungen, (halbseitige) sensible und motorische
(=
Bewegung
s-)
Störungen sowie Dysphasie
(= Sprachausdrucksstörungen).
Die Krankheitszeichen entwickeln sich i.d.R. über einen Zeitraum von fünf bis 30
Minuten und klingen innerhalb einer Stunde wieder völlig ab.
Eine prolongierte (=
verlängerte) Migräneaura
liegt dann vor, wenn zumindest ein typisches Symptom länger als 60 Minuten und
weniger als eine Woche anhält.
Bei der familiären hem
iplegischen
(= mit einer
Halbseitenlähmung
einhergehenden) Migräne
besteht bei mindestens einem Verwandten (1. Grad) das gleiche Krankheitszeichen.
Bei der
Basilarismigräne
gehen die
Kopfschmerzen mit
Krankheitszeichen des Gehirns einher (z.B. Schwerhörigkeit, Doppelsehen,
sensible oder motorische Störungen, Schwindel).
Nach Göbel (1994) ist es umstritten, ob die
Kopfschmerz en bei der
ophthalmoplegische M
igräne
(Schmerzattacken,
die mit einer Lähmung der Augen
muskeln
einhergehen) überhaupt der Migräne zugeordnet werden können.
Gleiches gilt für die periodischen Syndrome in der Kindheit (anfallsartiger
Schwindel und abwechselnde
Halbseitenlähmung (Hemiplegie),
in Verbindung mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie
vegetativen Krankheitszeichen, möglicherweise sind diese Erscheinungen
epileptiformer (=
fallsuchtartiger) Natur).
Bei der "kindlichen M
igräne"
können auch
Bauchschmerzen mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen auftreten, gelegentlich
auch ein Temperaturanstieg, ohne daß
Schmerzen im
Kopf vorliegen.
Bei der retinalen Migräne sind die
Schmerzen im
Kopf von einem
einseitigen
Gesicht
sfeldausfall oder gar Erblindung begleitet, was bis zu einer Stunde
anhalten kann.
Als M
igränekomplikation ist der Status migraenosus zu
nennen, gekennzeichnet durch eine Dauer der
Kopf
schmerzen von mehr
als 72 Stunden Dauer, trotz Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der
migränöse Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischämischer (= durch Blutmangel bedingter)
Hirninfarkt nachweisbar ist, oder die Aurasymptomatik (= anfängliche Krankheitszeichen einer Mi
gräne) nicht innerhalb von 7 Tagen völlig abklingt.
Zunächst muß der Patient eingehend über die Migräneerkrankung aufgeklärt und über die Behandlungsmöglichkeiten (Migränemittel) informiert werden. Auf anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte auslösende Faktoren (z.B. Schokolade, Käse, Rotwein) sollte besonders eingegangen werden. Hinweise auf eine vernünftige Lebensweise sind hilfreich, so z.B. regelmäßige Ruhezeiten, maßvolle körperliche Aktivitäten, möglichst Verzicht auf Alkohol und Nikotin und Vermeidung von Streß situationen.
Thera
pie der akuten
Migräneanfälle:
Ganz wichtig ist der Hinweis, daß
Analgetika (=
Schmerzmittel)
möglichst frühzeitig einzunehmen sind, d.h., der Patient darf nicht abwarten,
bis das Vollbild des Mig
räne
-Kopfschmerz
es eingetreten ist, sondern die Medikamenteneinnahme soll schon bei den
ersten Anzeichen erfolgen.
Als
Mig
ränemittel
der ersten Wahl gilt noch immer die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS)(z.B.
Aspirinâ ) 1-1,5 g. Bei ungenügender Wirkung von ASS empfiehlt sich ein Versuch
mit Paracetamol (z.B. ben-u-ronâ ), 1-1,5 g (in Form von Tbl., Saft oder
Zäpfchen). Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen)
sind als
Migränemittel
ebenso wirksam wie ASS bei vergleichbarer oder geringerer Nebenwirkungsrate.
Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib
oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit
einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer
Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch
vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bewährt hat sich bei stärkeren
Migränekopfschmerzen
auch die Kombination von 1g ASS mit 1g Paracetamol. Auch ein Therapieversuch mit
Metamizol (z.B. Novalginâ) ist bei
M
igräne
manchmal lohnend.
Ein potentes
Migränemedikament
ist der Serotoninagonist
(= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt)
Sumatriptan. Initiale Dosierung: 100mg zum Einnehmen oder 6mg unter
die Haut gespitzt. Bei Wiederauftreten von
Kopfschmerzen
maximal zwei Verabreichungen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende
Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der
Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit
jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des
relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (gilt auch für andere Triptane)
allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere
Migränemittel nicht
den gewünschten Erfolg bringen. Zwischenzeitlich gibt es zur
Migränetherapie weitere
Triptane: Zolmitriptan, Naratriptan (als
Formigran® rezeptfrei), Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan und Eletriptan.
Zur Behandlung der hemiplegischen, ophthalmoplegischen oder Basilarism
igräne sind Triptane allerdings nicht geeignet.
Ergotaminpräparate sind klassische
M
igränemittel zur Kupierung der
Migräneanfälle,
wegen der möglichen Nebenwirkungen jedoch nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr
einer Gewöhnung und Auslösung eines zusätzlichen
Dauerkopfschmerz
es steigt mit zunehmender Einnahmehäufigkeit. Aus diesem Grunde sollten
pro Woche nicht mehr als 6mg Ergotamintartrat und pro
Migräneattacke
nicht mehr als 4mg eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka
1994).
Grundsätzlich gilt auch hier, daß zur
Migränetherapie
die Verwendung von
Migränemittel
in Form von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder
Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strikt vermieden werden soll. Auf
dieser Therapiestufe kann auch Dihydroergotamin i.m.
(= in den Mus
kel)
oder ganz langsam i.v.
(= in eine Blutader)
versucht werden (1-1,5mg).
Besonders bei ausgeprägten vegetativen
Migränebegleiterscheinungen
hat sich die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam
(= ein Schlafmittel) sehr bewährt,
auch unter dem Aspekt, Schmerzmittel einzusparen, zumal die Patienten in dieser
Situation ohnehin das Bedürfnis haben, sich hinzulegen.
Wird der
Migränekopfschmerz
von Nausea (=
Übelkeit, Brechreiz) und Erbrechen
begleitet (evtl. auch schon vor dem erwarteten Auftreten dieser Symptome), ist
die Verabreichung von Metoclopramid sehr wirksam, zum Einnehmen
oder als Zäpfchen bis zu 20mg, i.m. oder i.v. 10mg. Metoclopramid sollte nicht
an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist vorteilhaft, diese Substanz
vor einem
Analgetikum (=
Schmerzmittel)
einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die
Resorption (= Aufnahme im Dar
m) weiterer
verabreichter Substanzen fördert. Alternativ kann auch der Dopamin-Antagonist
Domperidon verwendet werden, Tabletten oder Tropfen bis zu 30mg.
Unter stationären Bedingungen, denkbar auch in einem separaten Raum innerhalb
einer Praxis, hat sich zur
Migränebehandlung
die Verabreichung einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS kombiniert mit 10mg Metoclopramid und 1-2mg Flunitrazepam sehr bewährt, bei heftigen
Bei Fragen zur verschreibungsfreien Akut-Therapie der Migräne: www.formigran.de
Nach einem Bericht in der Zeitung "die Welt" vom 24.2.07 kann Flüssigkeitsmangel Migräne bzw. Migräneattacken auslösen. Nach einer Studie der Neurologischen Universitätsklinik Wien besserten sich bei 33 von 34 Migränepatienten die Migräneschmerzen innerhalb von drei Stunden, nachdem sie einen halben bis dreiviertel Liter Wasser zu sich genommen hatten.
Die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel)
ist zur
Migränebehandlung
im bereits voll entwickelten, akuten An fall wenig hilfreich.
Allerdings kann bei frühzeitiger Durchführung die Symptomatik in vielen Fällen
abgeschwächt werden, so daß oftmals Analgetika
(= Schmerzmittel)
gar nicht oder in weit geringerer Dosierung als sonst üblich eingenommen werden
müssen.
Wir blockieren bei der
Migräneerkrankung
vorzugsweise mit Bupivacain 0,5% die
Nerven
supraorbitales (=
Nerven
an der Augenbraue) (je ca. 0,5ml),
occipitales major (=
Nerven
am
Hinterkopf) (je ca. 1ml) und minor (je ca. 0,5-1 ml) und infiltrieren die
Schläfe
nregion beiderseits (je ca. 1-2ml). Obwohl die
Migränekopfschmerzen
meist nur einseitig auftreten, hat es sich bewährt, diese Behandlung nicht nur
auf die aktuell betroffene
Kopf hälfte zu
beschränken.
Wenn heftige
Migräneanfälle
gehäuft (mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen einer stationären
Migränebehandlung
schmerzseitige
Blockaden
(= Betäubungen) des
Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge sehr hilfreich.
Artet die
Migräneerkrankung
in einen Status migraenosus
(= länger als 72h anhaltender Migräne an
fall)
aus, so ist dies eine Indikation
(= Anzeige)
zur stationären Aufnahme.
Bewährt hat sich die mehrmalige (2-3x in 24 Std.) Verabreichung von 1-2mg
Flunitrazepam, initial zusammen mit 40mg Prothipendyl, sowie eine Tropfinfusion mit 100 mg Tramadol, 1g
ASS und
10-20mg Metoclopramid. Bei anhaltendem Erbrechen sollte mit der Gabe von
Dehydrobenzperidol (z.B. 2,5 mg i.m.) nicht gezögert werden.
Allgemeinmaßnahmen im
Migräneanfall
bestehen in Reizabschirmung (ruhiges und verdunkeltes Zimmer).
Prophylaktische
(= vorbeugende)
M
igräne-Behandlung:
Nicht immer sind die Patienten
bereit, auch im schmerzfreien Intervall konsequent Medikamente gegen die
M
igräne
einzunehmen, so daß oftmals eine ausführliche Aufklärung erforderlich ist. Eine
Migränevorbeugung
sollte nur dann erfolgen, wenn die
Migräneattacken
mindestens zwei mal pro Monat auftreten. Nach Göbel und Soyka
(1994) ist die Indikation auch gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens
zweimal ein Status migraenosus, die
Migräneerkrankung
mit prolongierter (=
verlängerte) Aura oder einmalig ein
migränöser Infarkt (=
Gewebszerstörung in bestimmten Hirnbereichen infolge von Sauerstoffmangel)
aufgetreten sind.
Als Mittel der ersten Wahl gelten Beta-Rezeptorenblocker
(= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Mig räne wirken).
Allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe eine vorbeugende
Wirkung auf die Mig
räneerkrankung. Relativ sicher wirken
Propanolol und Metoprolol (Diener 1989); beide Substanzen werden langsam
einschleichend dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol beträgt 200mg, für Propanolol 240mg. Bei Ausbildung
nicht tolerierbarer orthostatischer
(= den Kreislauf betreffende)
Störungen oder einer Bradykardie
(= zu langsamer Puls)
muß diese vorbeugende
Migränebehandlung
abgebrochen werden (ausschleichend). In der Einschleichphase müssen daher
regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrollen durchgeführt werden. Die Wirkungsweise
der Beta-Blocker in Bezug auf den
Migränekopfschmerz
ist noch nicht sicher bekannt.
Zur Intervalltherapie der
Migräne-Kopfschmerzen
eignen sich auch Kalzium-Antagonisten
(= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt).
Flunarizin sollte aufgrund einer Bewertung durch das
Bundesgesundheitsamt nur bei Patienten eingesetzt werden, die unter häufigen und
schweren
Migräneanfälle
n leiden und bei denen eine vorbeugende
Mig
ränebehandlung
mit Beta-Blockern kontraindiziert
(= gegenangezeigt)
ist bzw. keine ausreichende Wirkung gezeigt hat. Nach einer Studie hat sich
Cyclandelat zur
Migräneprophylaxe
nicht bewährt.
Eine weitere Prophylaxemöglichkeit (3. Wahl) des Migränekopfschmerzes besteht in
der Verabreichung von Serotonin-Antagonisten
(= Mittel, die dem Gewebshormon
Serotonin entgegenwirken). Pizotifen hat
einen hemmenden Effekt auf die Serotonin-Freisetzung im Anfangsstadium der
M
igräne.
Lisurid, ein Ergota
min -Derivat, ist ein Serotonin -Partialantagonist. Die Tagesdosis
beträgt 0,075 mg. Im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989) wird diese
Substanz bei uns kaum verwendet, da bisherige Therapieversuche nicht überzeugt
haben.
Zur
Schmerzprophylaxe
bei der sog. menstruellen
(= regelbedingten)
Mig
räne
soll Sulpirid hilfreich sein (Thoden 1986). Göbel und
Soyka (1994) empfehlen eine "Kurzzeitprophy
laxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis
drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin ist zur Vor
beugung des Migränekopfschmerzes umstritten. So wird es z.B. in
anglo-amerikanischen Ländern dafür nicht verwendet.
Zur
Migräneprophylaxe
(=
Migränevorbeugung)
ist in Deutschland auch das Antiepileptikum
(= eigentlich ein Mittel gegen
die Fallsucht) Topiramat zugelassen. Dieses Medikament sollte aber nur bei Erwachsenen angewendet werden
und nur dann, wenn eine Therapie mit Betablockern nicht indiziert
(= angezeigt)
ist, zuvor nicht erfolgreich war oder nicht vertragen wurde.
Nach einem Bericht in der Welt (19.4.04) soll zur Vorbeugung der
Migräne mit Aura
die auch regelmäßige Zufuhr von Folsäure geeignet sein.
Wenn die
Migräneanfälle
gehäuft (z.B. mehrmals pro Woche) auftreten und andere vorbeugende Medikamente
(z.B. Beta-Blocker) nicht greifen, ist nach unserer Erfahrung beim
Migränekopfschmerz
auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel)
lohnend, besonders wenn sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x
täglich konsequent durchgeführt wird (Leser et Hefermann,
Schmerzkl
inik Bad Mergen
theim 1990). Dabei betäuben wir,
wie zur akuten
Migränebehandlung schon beschrieben, die das Kranium
(= den knöchernen Schädel) versorgenden Ner
ven an ihren Austrittspunkten. Ergänzt
wird die Behandlung durch tiefe Infiltration der oft verspannten, an die Halswir
belsäule angrenzenden
Muskulatur.
Die Wirkungsweise dieser
Migränetherapie ist
nicht geklärt, vermutlich kommt es zu einer tiefgreifenden neurovegetativen
Umstimmung.
Diese Wirkungsvorstellung ähnelt sehr dem neuraltherapeutischen Konzept,
allerdings mit dem Unterschied, daß statt Procain das langwirkende örtliche
Betäubungsmittel Bupivacain verwendet wird.
Ergänzende Methoden:
Meist werden die folgenden Methoden
ergänzend eingesetzt, d.h. als Monotherapie
(= alleinige Behandlung)
ist die Wirkung in der
Migränebehandlung
in der Regel nicht ausreichend.
Eine der klassischen Indikationen für die
Akupunktur sind
Kopfschmerzen. Zur
Migränetherapie
dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, so z.B. die Punkte 3, 17,
40 und 43, zusätzlich das Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann
et al. 1986). Es sei darauf hingewiesen, daß auch für die Behandlung der
Mig
räne
mit
Schmerzakupunktur
(noch) keine wissenschaftlich exakten Ergebnisnachweise vorliegen.
Die transkutane Nervenstimulation mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) kann beim Migränkopfschmerz,
wenn sie bei den ersten Anzeichen einer
Migräneattacke
durchgeführt wird, durchaus eine Linderung der Beschwerden herbeiführen,
manchmal sogar den Ausbruch einer
Schmerzattacke
verhindern.
Bei vielen Migränepatienten fällt auf, daß auch im schmerzfreien Intervall die
an die
Halswirbelsäule
angrenzenden
Muskeln, teilweise
auch die
Schulter
muskeln verspannt
sind. In diesen Fällen hat sich die Verordnung von physikalischen
Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik als ergänzende
Migränebehandlung bewährt. Manchmal kann auch durch eine manuelle Lymphdrainage
im
Kopf
-/Halsbereich eine deutliche Linderung der
Migränekopfschmerzen
erzielt werden.
Zu erwähnen wäre bei
Mig
räne
auch die Hydrotherapie in Form von Wechselbädern der
Extremitäten
(=
Arme,
Beine)
und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich
beruht der oft zu beobachtende positive Effekt auf einer neurovegetativen
Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes.
Bewährt hat sich bei
Mig
räne
auch
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Auch
psychologischen Interventionen können
Migränekopfschmerzen
lindern: hauptsächlich Entspannungstechniken,
Streßbewältigung und
Schmerzbewältigungstraining.
Jetzt noch gute Nachrichten für alle Schmerzpatienten
Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht darauf , in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden. Hier gelangen Sie zu dem Urteil. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik. Mittlerweile gibt es diesbezüglich ein weiteres Urteil, diesmal vom Landessozialgericht Hamburg: www.schmerzklinik.com/sozialgericht2 oder auch https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik.
Alle gesetzlich Krankenversicherte haben mittlerweile Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und die Patienten dürfen sich ihre REHA-Klink sogar selbst aussuchen (nur zugelassene Einrichtungen wie z.B. unsere). Weiter Einzelheiten erfahren Sie hier (einfach anklicken), oder auch auf der Orginalseite der Bundesregierung: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
Auch daß für eine Rehabilitation bei Berufstätigen automatisch die Rentenversicherung zuständig ist, stimmt so nicht (mehr). Führen z.B. chronische Schmerzen nicht zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, so ist die Krankenkasse selbst Kostenträger und nicht die Rentenversicherung. Auch ist die Krankenkasse selbst Kostenträger, wenn eine Behinderung oder eine Pflegebedürftigkeit droht. Quelle: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
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k u aktualisiert 02.09.2007 www.migraene.co.uk
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Noch eine gute Migräneseite: www.migraene.schmerzklinik.com
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